Teamwork mit dem Herrn der Ringe

Anlässlich des Films „Der Hobbit“ sehe ich mir gerade die Herr-der-Ringe-Filme noch einmal an. Es ist nicht überraschend, dass ein Teil mit dem Titel „Die Gefährten“ vieles über Teamwork enthält. Doch auch „Die Zwei Türme“, der zweite Teil der Trilogie, enthält einige plakative Szenen, und eine davon möchte ich heute herausgreifen.

Aus der Teamwork-Perspektive ist die Entwicklung der Beziehung zwischen Frodo, seinem Begleiter, und Gollum/Sméagol sehr spannend. Die Beziehung entwickelt sich in drei wesentlichen Phasen:

Spoiler-Alarm!

Vorsicht, Spoiler! Um den Punkt klar herauszustellen, betrachten wir hier den Komplex aus „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ sozusagen aus der Vogelperspektive. Einige der Fragen, die der erste Film „Der Hobbit“ (noch) nicht offen ließ, werden damit teilweise beantwortet. Auf der anderen Seite: Ich vermute, wer so weit gelesen hat, kennt die Geschichten sowieso schon, wahrscheinlich sogar fast auswendig.

Hintergrund

Für die, die die Geschichte nicht sooo gut kennen, hier ein kleiner Einstieg.

Wie so oft in der Fantasy-Literatur geht die epische Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse auf die Entscheidung zu.

In dieser Zeit gelangt Frodo irgendwie an einen magischen Ring. Der Ring muss zerstört werden. Dazu gibt es nur eine Möglichkeit: Ein Vulkan mitten im Feindesland. Frodo zieht mit Freunden zum Vulkan. Einer von ihnen ihm dabei eine wichtige Stütze.

Gollum/Sméagol ist ein früherer Besitzer des Ringes und will diesen Ring unbedingt wiederhaben. Wegen seines Wissens über den Ring wurde er sowohl von den „Guten“ als auch von den „Bösen“ schon gefangengenommen und … befragt. Er konnte sich befreien und ist auf sich allein gestellt hinter dem Ring her. Ich finde, er ist weder gut noch böse, nur chaotisch: Er verfolgt sein eigenes Ziel. Dabei ist er zugegebenermaßen rücksichtslos, aber er verfolgt kein Ziel, anderen zu schaden. Das Ganze spielt sich im Wesentlichen im vierten Buch ab. (Die drei Bände sind noch einmal jeweils in zwei Bücher unterteilt).

Die Geschichte, kurz zusammengefasst

Die erste Phase: Begegnung und Kennenlernen

Geleitet vom magischen Ring verfolgt Gollum/Sméagol heimlich Frodo und seinen Gefährten. Frodo bemerkt den Verfolger und ahnt, um wen es sich handelt. Irgendwann erwischen die Gefährten Gollum/Sméagol und nehmen ihn gefangen. Die Atmosphäre ist von gegenseitigem Misstrauen geprägt, auch weil sich Gollum/Sméagol aus der Sicht von Frodos Freunden so unvorhersehbar verhält.

Vertrauen

Frodo dagegen, der selbst den magischen Ring trägt, kann ein wenig nachvollziehen, wie Gollum/Sméagol sich fühlt und ergreift für ihn Partei. Dadurch beginnen die beiden, mehr und mehr Vertrauen zueinander zu fassen. Gollum/Sméagol spürt, dass Frodo ihn ehrlich unterstützt und beschließt, sich auf Frodo einzulassen. Nach diesem ersten Schritt von beiden Seiten wächst das Vertrauen zwischen Frodo und Gollum/Sméagol.

Misstrauen

Durch verschiedene Verwicklungen steht Frodo vor dem Dilemma, tatenlos zuzusehen, wie Gollum/Sméagol getötet wird, oder ihn in eine Falle und damit in die Gefangenschaft zu locken. Gollum/Sméagol ahnt nichts von Frodos Dilemma. Natürlich fühlt er sich von Frodo hintergangen, sein Vertrauen ist enttäuscht und er wendet sich innerlich von Frodo ab. Im Management-Jargon würde man wohl von einer inneren Kündigung sprechen.

Gerade im Film („Die Zwei Türme“) sind die beiden Stellen, an denen Gollum/Sméagol sich entscheidet, wirklich überzeugend herausgearbeitet.

Lehren

Es ist eine Binsenweisheit, und sie wird doch immer wieder missachtet: Vertrauen ist schwer zu schaffen und leicht zu zerstören.

Vertrauen ist leicht zu zerstören

Wie gezeigt ist eine Voraussetzung für wachsendes Vertrauen, aufeinander zuzugehen und sich aufeinander einzulassen. Eine Firma beispielsweise, die in jedem Quartal die Arbeitszeit noch strenger überwacht, sollte nicht überrascht sein, wenn die Mitarbeiter ihr immer weniger vertrauen. Symptome davon könnten Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat sein. Gleichzeitig sollte die Firma nicht überrascht sein, wenn die Mitarbeiter sich gegenseitig nicht mehr vertrauen. Irgendetwas muss die Firma als Ganzes über die Vertrauenswürdigkeit der Mitarbeiter wissen, was jedem Mitarbeiter einzeln aus der Froschperspektive verborgen blieb.

Vertrauen aufbauen

Gleichzeitig, allerdings sowohl im Film als auch im Buch etwas subtiler, zeigt Frodo, wie Vertrauen aufgebaut werden kann: Er ist konsequent darin, sich für Gollums/Sméagols Lage einzusetzen, er geht nie in einem Konflikt den leichten Weg und überstimmt Gollum/Sméagol einfach.

Was schief lief

Am Ende ist eine Erzählung wie der Herr der Ringe nicht primär wegen ihrer Heldentaten interessant, sondern wegen ihrer Charaktere mit all ihren Stärken und vor allem auch wegen ihrer Schwächen. Auch Frodo hat nicht alles „richtig“ gemacht, natürlich lief einiges schief.

Zuächst hat Frodo die Gelegenheiten nicht genutzt, Golums/Sméagols Vertrauen nach der Gefangenschaft wieder aufzubauen. Er hatte durch seine Konsequenz eigentlich optimale Voraussetzungen geschaffen, um auch in einer harten Situation wie dem geschilderten Dilemma das Vertrauen noch zu retten, indem er sich auf sein vergangenes Verhalten bezieht: Er habe sich nie gegen Gollum/Sméagol gestellt, doch in dieser Situation gab es Aspekte, über die er nicht sprechen kann. Keine Lügen, keine Übertreibungen, keine Geschichten: Die Botschaft ist: Ich habe immer zu Dir gehalten, als Du die Lage komplett kanntest. Diesmal kennst Du die Lage nicht komplett, glaub mir, ich habe auch diesmal zu Dir gehalten.

Und: Der Fokus dieses Textes liegt auf dem Verhältnis zwischen Frodo und Gollum/Sméagol. Frodo hat wiederholt verpasst, dass er durch seine extreme Stellungnahme für Gollum/Sméagol das Verständnis seiner anderen Gefährten mehr und mehr verliert. Es wäre ideal, wenn er auch in dieser Situation noch allparteilich bleiben könnte und auf die Argumente, Positionen und Interessen seiner Gefährten besser eingegangen wäre.

Abschlussgedanken

Vielleicht lohnt sich auch dieser Gedanke: Sam ist ein sehr vertrauenswürdiger Freund.

Am Ende handelt der Herr der Ringe von vielem, das hier ist nur ein kleiner herausgegriffener Aspekt. Es ist nur eine Geschichte, es ist „nur“ eine Geschichte über Gut und Böse, und man kann daran erkennen: „Gut“ definiert sich sehr weit durch Loyalität und Vertrauen.

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