PowerPoint

Eines steht fest: PowerPoint polarisiert. Viele lieben es, viele hassen es, und es gibt eine Vielzahl an Studien über Sinn und Unsinn. Und jetzt?

Schon 2003, damals noch in einem STOXX-50-Unternehmen, hatte ich gegen PowerPoint argumentiert. Der Bericht des Columbia Accident Investigation Board enthält eine ganze Seite (Seite 191) über „Engineering by Viewgraph“, man könnte also sagen, dass PowerPoint einen Beitrag zum Absturz der Columbia hatte. Das Gegenargument war allerdings auch nicht von der Hand zu weisen: Ohne PowerPoint wäre wahrscheinlich nie ein Space Shuttle geflogen.

In diesen Tagen wurde wieder eine Studie veröffentlicht mit dem Ergebnis „Power-Point hat schlechten Lerneffekt„. Das ist potenziell eine gute Erkenntnis, doch wertvoll ist sie noch nicht. Was sollen wir jetzt machen, vor allem: Was sollen wir jetzt anders machen? – Wertvoll wird sie erst, sobald eine umsetzbare Empfehlung auf dem Tisch liegt.

2003 war mein Thema: Als Vortragender ist mir wichtig, dass die Botschaft präzise ankommt. Dazu bauche ich einen engen Kontakt mit dem Publikum, idealerweise einen Dialog oder wenigstens eine starke Rückkoppelungsschleife damit ich mitbekomme, wo mein Publikum gedanklich ist. Wenn ein Blick ins Publikum zeigt, dass die Hälfte der Leute versucht, Folie 17 zu verstehen und die andere Hälfte Tagträumen nachhängt, … Ach so, in den meisten PowerPoint-Vorträgen schaut ja der Vortragende gar nicht mehr ins Publikum sondern versucht selbst, Folie 17 zu verstehen.

Inzwischen werden PC-gestützte Präsentationen immer öfter zum Problem. Ich beobachte immer wieder, gerade in großen Firmen, dass ein Teilnehmer in einer Besprechung sagt „Ich würde Ihnen dazu jetzt gerne ein paar Folien zeigen…“, und der Löwenanteil des Publikums beginnt, den eigenen Gedanken nachzuhängen.

Als ich damals zum ersten Mal über Teamwork sprach, hatte ich nur sehr wenige Folien, aber dafür Berge von Anekdoten im Gepäck. Wir waren etwa 30 Teilnehmer in einem Raum, und noch einmal so viele über Telefonkonferenz zugeschaltet. Gerade an den zentralen Stellen, nämlich an den Stellen, an denen der Vortrag gegen die bisherigen Gewohnheiten der Teilnehmer argumentierte, hatten wir kurze, dichte Diskussion. Erst als ich bemerkte, dass die meisten bereit waren, meine Vorschläge wenigstens für ein paar Wochen auszuprobieren, fuhr ich wieder im Vortragsstil fort. In den Wochen danach war offensichtlich, welche Punkte „angekommen“ waren, wer an welchen Stellen entschieden hatte, dem Vortrag zu folgen. und etwas neues auszuprobieren.

Für funktionierendes Teamwork brauchen alle eine gemeinsame Vorstellung vom Thema. Idealerweise versteht jeder, wie jeder andere über die Sache denkt – dann sind auch Entscheidungen viel einfacher zu treffen und umzusetzen: Aus dem gleichen Modell von Welt heraus kommen die Menschen normalerweise zu den gleichen Schlussfolgerungen.

Damit das funktioniert, brauchen wir Vortragende, die sich um das Publikum kümmern, und Publikum, das sich weniger mit den „Folien“ und mehr mit dem Vortragenden auseinandersetzt. PowerPoint & Co. als Werkzeug lenkt von diesem Kontakt zwischen Vortragendem und Publikum ab, doch es sind vor allem die Menschen, die sich auf die Ablenkung eingelassen hatten. Was sollen wir jetzt anders machen? – Das gemeinsame Verständnis als Ziel im Fokus behalten und mit dieser Motivation aufmerksam bleiben.

Stimmt’s?

 

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